Lederarbeiten


ie mittelalterlichen Lederhandwerker waren in großen Städten wie Nürnberg sehr stark spezialisiert. So gab es z.B. Täschner, Beutler, Futteralmacher, Schreibzeugmacher, Riemenschneider, Sattler, Schuster, Flickschuster, Altmacher und sicher noch einige Berufe mehr. Jeder dieser Handwerker achtete genau darauf, dass keiner der anderen etwas aus seinem eigenen Metier herstellte. Wir dagegen führen meist ein möglichst großes Spektrum der Lederverarbeitung vor.

Die verwendeten Lederarten entsprechen - soweit es heutzutage möglich ist - den damaligen Sorten. Es gab grubengegerbtes Leder (mit Galläpfeln oder tanninhaltiger Rinde gegerbt), sämisch gegerbtes Leder (mit Fett eingewalkt) und alaungegerbtes Leder (Kalialaun ist ein schon von den Ägyptern verwendetes Salz).

In der Hauptsache wurden Rinder- und Kalbsleder, Ziegen-/Schafs- und Schweinsleder sowie Hirschleder verwendet.

Genäht wurde mit dem sogenannten Pechdraht. Je nach Verwendungszweck wurde Leinen- oder Hanfgarn mit Schusterpech gepicht und verzwirnt und an einer Schweinsborste befestigt. Die Löcher wurden mit einer Ahle vorgestochen, durch die man dann die Borste mit dem Draht schieben konnte.

Bei Lederscheiden und Etuis gab es noch die Möglichkeit das Leder zu verleimen. Etuis baute man meistens um einen Holzkern herum auf, ähnlich wie der Leisten beim Schuster.

Beim Dekorieren hatte man je nach Aufwand verschiedene Möglichkeiten:

  • Das Punzieren: mit einem kleinen Metallstempel wurde ein Muster in das angefeuchtete Leder gepresst.
  • Den Lederschnitt: mit einem heißen Eisen wurde ein frei ins Leder geschnittenes Motiv nachgezogen.
  • Die Lederreliefarbeit: mit einem feuchten Kitt unterlegtes Leder wurde frei modelliert werden, solange der Kitt noch weich war.

Diese Techniken wurden auch sehr häufig kombiniert, um größere Effekte zu erzeugen. Bei hochwertigen Arbeiten wie Minne- oder Reliquienkästchen hat man das Leder auch noch bemalt.

- Andreas Petitjean