Vorwort
ie mittelalterliche Geschichte des Menschen im 15. Jahrhunderts darzustellen, ist eine
schwierige Aufgabe. Ich möchte mit diesem kleinen Aufsatz nicht die herkömmlichen strengen Methoden verwenden, um das Leben im
Mittelalter darzustellen, sondern die Menschen an sich in den Vordergrund rücken und dem Leser des Aufsatzes veranschaulichen, wie die
einzelnen Gerätschaften in einem Bild mit dem Menschen der damaligen Zeit ausgesehen haben. Desweiteren werden dem Leser
Gegenstände vor Augen führen, die man nicht, oder in nur sehr wenigen Museen, zu Gesicht bekommt - nämlich die Kleidung und
Trageweise der Tracht im 15. Jahrhundert. Dieser Aufsatz ist nicht der Weisheit letzter Schluss! Er soll vielmehr dazu anregen, selbst auf
die Suche zu gehen, Originalkunstwerke einzelner Künstler aus dem 15. Jahrhundert zu vergleichen und sich selbst ein Urteil zu bilden.
Für Anregungen bin ich daher äußerst dankbar, sofern ihre Grundlage nachweisbar ist.
Die Kleidungsweise des 15. Jahrhunderts wurde in Deutschland von anderen Ländern
beeinflusst. Hier spielte der burgundische Hof mit seiner pompösen und aufwendigen Kleidungsweise eine weisende Rolle [1]. Allerdings gilt dies nur bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ab der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts beginnt sich Deutschland von dem Vorbild der burgundischen Mode abzuwenden und sich als Vorbild den
Kleidungsstil Italiens zu nähern. Vergleicht man Bilder italienischer Künstler der 1460er Jahre mit denen deutscher Künstler
der Rheingebiete oder aus Süddeutschland, dann wird deutlich, dass in Deutschland zwischen 1470 und 1480 die Mode Italiens aus den 1460er
Jahren bevorzugt wird, während man in Italien zwischen 1470 und 1480 schon beginnt Schlitzkleidung zu tragen, die in Deutschland erst ab
den 1490er Jahren populär wurde und im 16. Jahrhundert überall verbreitet war.
1. Die Tracht der Männer
a. Unterwäsche
aa. Hemd
ie Form der Hemden war schlicht, ohne Kragen. Hemden waren Schlupfkleider, d.h. sie wurden
vorne nicht geknöpft. Der Halsausschnitt war manchmal gerade so groß, dass der Kopf hindurchpasste, manchmal war der Halsauschnitt
so groß, dass er von der einen Schulter bis zur andern reichte. Auf den meisten Abbildungen sieht man die Hemden ohne Faltelungen. Es
wäre jedoch falsch zu sagen, Hemden wurden nur ohne Faltelungen getragen, denn gerade in der Kleiderordnung Nürnbergs werden
Faltenlegungen verboten, um der Verschwendungssucht der Bürger Einhalt zu gebieten. Daraus lässt sich aber wiederum schließen, dass Hemden vorne in Falten gelegt
wurden, sonst würde ein Verbot keinen Sinn machen. Man kann daher nur sagen, ein Hemd ohne Fältelung, wie es fast alle Künstler
der Jahre 1470-1480 auf ihren Bildern darstellen, entsprach dem Idealbild eines Hemdes, war aber durchaus nicht Gang und Gebe.
bb. Unterhose
nterhosen waren aus Leinen gefertigt und kamen fast nur in zwei Formen vor. Die eine hatte eine
eher dreieckige Form und wurde an beiden Seiten mit Schnüren zugeschnürt. Diese Form erinnert etwas an eine Tangahose aus heutigen
Tagen. Die zweite Form war eine breitere Form. Die Form erinnert an die Unterhosen, wie sie auch in den späten 70er und frühen 80er
des 20. Jahrhunderts getragen wurde. Auffallend ist, dass manche Künstler Männer mit grünen oder auch schwarzen Unterhosen
darstellen. Anscheinend achtete man auch im Spätmittelalter bei der Unterwäsche auf Farben und wollte nicht nur eine naturfarbene
Leinenunterhose tragen, wobei man bei solchen Farbgebungen natürlich nicht die Symbolik des Malers außer Acht lassen darf, denn
vielleicht wollte er mit dieser Farbgebung auch nur gewisse Dinge auf seinem Bild aussagen und darstellen.
b. Kopfbedeckung, Haartracht.
aa. Gugel
ie Formenvielfalt der Gugel ist groß, jedoch haben fast alle gemeinsam, dass sie oft mit
einem Futterstoff unternäht waren. Bei Kriegsknechten im Mittelalterlichen Hausbuch [2] sieht
man häufig Gugeln ohne Zopf und mit auf der Brust und dem Rücken mehrfach geschlitzten schulterfreiem Kragen. Diese Variante wurde
deswegen bei den Kriegsknechten bevorzugt, da der lange Zopf im Gefecht hinderlich sein konnte und es des weiteren angenehmer war, den Helm
über einer Gugel ohne Zopf zu Tragen. Man kann dort aber auch Gugeln erkennen, die einen sehr weiten Kragen hatten, der bis zu den
Ellbogen reicht. Diese Form war sehr nützlich bei kaltem oder nassem Wetter. In Nürnberg wurden aber auch Gugeln mit sehr langem
Zopf verwendet, die bei sehr kalter Witterung turbanähnlich um den Kopf [3] geschlungen
wurde. Die Gugel mit langem Zopf konnte des weiteren auch als sogenannte Sendelbinde [4] verwendet
werden.
bb. Hüte und Mützen
ie Formen der Hüte und Mützen sind sehr vielfältig gewesen. Man kann hier auch
unmöglich sagen, dass diese oder jene Form die häufigste war. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie bei Trägern in der
Oberschicht mit einem Futterstoff wohl meist aus Leinen unterfüttert waren, während die unteren Schichten der Bevölkerung oft
ungefütterte Hüte trugen. Das Hut- oder Mützenmaterial selbst war nach meinen Versuchen ein festes Schurwolltuch, das sehr
heiß gekocht und öfter gewalkt wurde, so dass ein fester Filz entstand. Mit diesem festen Stoff war es möglich, die Hüte
oder Mützen in eine beliebige Form zu drücken. Hutkrempen oder Ohrenlaffen der Mützen konnte man dann nach Wunsch hochklappen
oder nach unten biegen. Nicht selten sieht man auf Abbildungen aber auch Mützen aus einfachem weichem Schurwolltuch, d.h., der
Mützenstoff wurde nicht immer gefilzt.
cc. Haartracht
ie Haartracht kannte ebenso zahlreich Varianten. So wie es im Wolfenegger Hausbuch dargestellt
wird, trug der junge modische Mann in den 1480ern einen Haarschnitt der vorne kurze und hinten nacken- bis schulterlange Haare hatte. Solche
jungen Burschen werden dann manchmal auch ohne Kopfbedeckung dargestellt. Handwerker, Bauern, etc. trugen dann mehr einen kurzen
Haarschnitt, da lange Haare für den Beruf eher hinderlich waren. Bei Kriegsknechten sieht man häufig auf Gemälden einen fast
kahlgeschorenen Kopf, dies war auch unter den Umständen, die das Leben im Feld mit sich brachte, aus Hygienegründen vorteilhaft.
c. Wams
er klassische Wams im Süddeutschen Raum zwischen 1470 und 1490 hatte oft einen
V-förmigen Ausschnitt auf der Brustseite, damit man das darunter tragende Hemd gut sehen konnte. Er wurde auf verschiedene Weise mit
Kordeln oder Schnüren verbunden, meist durch eine Zickzackschnürung. Der Wams lief in der Taillie zusammen und war daher sehr
figurbetont. Ab der Taillie beginnt ein etwa 6 cm langer Schoß, an dem dann die Hose angenestelt war. Der Stehkragen mit
Kragenausschnitt lief von Schulternaht zu Schulternaht. Der Wams wurde mit Ärmeln versehen, die ebenfalls eng anlagen und sehr oft vom
Handgelenk bis zu den Ellbogen, manchmal auch weiter, offen lag, damit man das Hemd sehen konnte. Dieser Schlitz wurde wieder durch
Schnüre zusammengehalten. Wie man auf manchen süddeutschen Gemälden (oder auch burgundischen Gemälden und
Wandteppichen) der 1470er und 1480er Jahre erkennen kann, wurden Wämser manchmal bei der Arbeit auch ohne Ärmel getragen. Da dies
nur auf sehr wenigen Gemälden zu sehen ist, war dies jedoch wohl eher die Ausnahme oder es entsprach nicht dem Idealbild der damaligen
Zeit, so dass der damalige Maler in seinen Kunstwerken von der Realität abwich. Am Wams sieht man den regionalen Unterschied zwischen
den Moderichtungen aus Burgund und Italien am deutlichsten. Während in Burgund vorwiegend vorne geschlossene Wämser, meisst mit
Puffärmeln, getragen wurde, bevorzugte Süddeutschland ab der Mitte des 15. Jahrhunderts den oben beschrieben italienischen Stil.
d. Hose
er Hosenschnitt weist eine große Formenvielfalt auf. Hosen waren sehr eng am Bein entlang
geschnitten (so dass man sie fast als "zweite Haut" bezeichnen kann) und waren am Wams angenestelt. Es gab Hosen mit hohem Bund, diese waren
jedoch eher seltener, und Hosen mit niederem Bund. Manche Hosen hatten als Abschluss an den Füßen einfach nur einen Steg, manche
hatten aber auch Füßlinge, damit man nicht mit seinen nackten Füßen in den Schuhen stehen musste. Genauso
vielfältig wie der Schnitt der Hosen, waren auch die verschiedenen Befestigungsformen des Latzes bzw. der Schamkapsel. Die zwei
häufigsten Formen waren dabei der auf die Außenseite der Hose geschnürte Latz und der in der Hose befestigte Latz, wie man es
oft bei den Zeichnungen von Talhoffers
Fechtbuch sieht. Es stellt sich hier natürlich die Frage, warum man überhaupt so eng anliegende Hosen bzw. auch Wämse
getragen hat, also warum man sich anders als heute so viel Mühe gemacht hat diese genau an die Körperform anzupassen. Das
resultiert aus ihrer Praktikabilität. Denn im Krieg zum Schutz oder auf Festtagen am Hof als Statussymbol, wurde von der
männlichen adligen Bevölkerung Rüstung getragen. Eine weite Hose würde hier aber nur hinderlich sein, um das enge
Rüstzeug an den Beinen tragen zu können. Daher wurde im Laufe der Zeit die Hose und auch der Wams sehr körperbetont, denn unter
der Rüstung getragen warfen sie dann keine Falten mehr. Da die Mode am Hof gemacht wurde, wurde diese Tragweise auch in der
übrigen Bevölkerung publik und somit trug auch der einfache Mann diese Kleidung, obwohl es für ihn eigentlich keinen besonderen
Zweck in sich barg.
e. Beinlinge
ie Beinlinge waren Überbleibsel aus den früheren Jahrhunderten. Dies waren nichts
anderes als hohe, strumpfähnliche Gebilde, aus denen sich dann im 15. Jahrhundert die Hose entwickelte. Im 15. Jahrhundert waren sie aber
noch durchaus gebräuchlich. Sie wurden hier von der ärmeren Bevölkerung verwendet, die kein Geld für genügend Stoff
hatten um sich eine Hose zu leisten oder sie wurden auch, wie man auf einer Vielzahl von Gemälden sieht, bei schlechter Witterung
über die Hose getragen um einen zusätzlichen Schutz vor Kälte und Nässe zu gewährleisten.
f. Jacke
ie Jacke war entweder schlicht und gerade geschnitten oder am Rücken und vorne in Falten
gelegt, was man im Wolfegger Hausbuch [5] sehr gut erkennen kann. Es gibt dabei weite Jackenformen
und sehr enge Jackenformen. Gemeinsam haben alle, dass sie mit einem Innenfutter abgefüttert waren und von der Länge mindestens bis
über das Gesäß fallen. Nach der Nürnberger Kleiderordnung war es Pflicht, dass die Jacke bis etwa zur Mitte der
Oberschenkel reichen musste [6]. Die Jacke hatte einen Stehkragen mit Kragenausschnitt am
Rücken. Die weiten formen der Jacke wurden nur mit einer einzelnen Nestelung unterhalb des Kragens zugeschnürt, der Rest wurde vom
Gürtel zusammengehalten. Oft sieht man diese Variante der Jacke auch offen getragen, wobei der Gürtel unter der Jacke getragen
wurde. Die enge Variante wurde vorne geknöpft oder genestelt. Viele der Jacken hatten an der Seite schlitze, die von der Unterkante der
Jacke fast bis zur Taille reichen konnten, um ein Mehr an Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Auffällig ist, dass nur relativ
wenige Jacken, im Gegensatz zur burgundischen Mode, Puffärmel haben. Auf fast allen Gemälden und Bildern, insbesondere im
Mittelalterlichen Hausbuch, werden fast alle Jacken ohne Puffärmel dargestellt. Desweiteren sind die Ärmel sehr weit und manchmal
auch sehr lang, so dass diese dann sogar umgestülpt werden mussten, um die Hände zu sehen und diese gebrauchen zu können.
Die Jacke wurde gerne von den unteren Bevölkerungsschichten, insbesondere den Bauern, durch ein oberschenkel- bis knielanges
Schlupfkleid ersetzt, dass etwas an eine Tunika erinnert.
g. Mantel
äntel waren nichts anderes als längere Jacken. Sie
waren für sehr schlechte Wetter bestimmt und konnten von ihrer Länge bis zu den Knöcheln
reichen. Sie wurden aus eher dickerem Tuch gefertigt und wenn man das Geld dazu hatte, innen komplett mit Pelz
gefüttert. Die nicht so reiche Bevölkerung versuchte dieses Aussehen nachzuahmen. Sie versäumten
die Kanten der Mäntel daher oft mit Fell. Der Mantel wurdee ntweder in geknöpft Form getragen oder,
wie bei den Jacken, nur oben durch eine Nestelschnur oder durch eine Spange zusammengehalten. Mäntel
hatten oft keinen Kragen, so dass der Kragen des Wamses oder der Jacke zum Vorschein kam. Die Ärmel der
Mäntel waren manchmal überlang und auch überbreit, so dass diese nach oben umgeschlagen werden
mussten damit man seine Hände gebrauchen konnte. Bei den Mänteln waren Varianten mit Puffärmeln
genauso gebräuchlich, wie Mäntel ohne Puffärmel.
h. Umhänge
mhänge kamen in zwei Formen vor. In einer kurzen Variante,
die bis zum Gesäß reichte, und einer langen Variante, die meist knöchel- oder fußlang
war. Während die kurze Variante wohl eher eine modische Erscheinung war, war die lange Form sehr
gebräuchlich bei Kriegsknechten, Pilgern oder Boten. Der Umhang schützte diese vor schlechten Wetter
und konnte auch als Decke beim Schlafen verwendet werden. Die Umhänge haben gemeinsam, dass sie fast alle
auf der rechten Schulter geknöpft oder geschnürt wurden, so dass der rechte Arm frei und gut zu
gebrauchen war.
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i. Gürtel
er Gürtel des Mannes war gegenüber dem der Frauen
eher kurz. Obwohl man auf manchen Gemälden durchaus auch breitere Formen sieht, war das Idealbild des
Gürtels dünn. Am Gürtel wurde in diesem Idealbild nicht mehr als eine Gürteltasche und ein
Dolch oder Dolchmesser getragen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass von diesem Idealbild aus
Praktikabilitätsgründen auch abgewichen wurde.
j. Schuhwerk
er Kriegsknecht des Spätmittelalters trug einfache halb
oder halb hohes Schuhwerk aus festem Leder mit einer leichten Spitze. Die Oberschicht und das wohlhabendere
Bürgertum bevorzugte Schnabelschuhe mit einer langen Spitze aus eher dünnem weichen Leder. Dies war
das Modeideal. Dem Kriegsknecht dieser Zeit hätten solche Schuhe jedoch im Gefecht nicht unwesentlich
behindert. Bei morastigem oder schlammigen Wetter wurde unter die Schuhe sogenannte Trippen aus Holz
geschnallt, damit die Schuhe nicht dreckig und nass wurden. Manchmal kann man auf Gemälden auch sehen,
dass unter den Hosen mit Füßlingen einfach eine Ledersohle genäht wurde und keine Schuhe
oder Ledertrippen dazu getragen wurden.
k. Nestelschnüre
ine der häufigsten Verschlussformen neben Knöpfen und
Spangen war das Nesteln der Kleidung. Bei den Männern war stets die Hose an den Wams angenestelt. Aber
auch Mäntel und Jacken wurden oft mit einer Nestel am Halsausschnitt zusammengehalten. Die Nestelenden
wurden sehr oft mit Nestelspitzen versehen, damit die Schnüre leichter durch die dafür vorgesehenen
Löcher an der Kleidung gleiten konnten. Die Nestelschnüre waren wohl meist richtige Bänder
oder geflochtene Schnüre aus Leinen oder Schurwolle, manchmal wohl auch aus Seide. Lederbänder
wurden wohl weniger bevorzugt, da sie nicht dem Schönheitsideal der Zeit entsprachen. Man muss aber auch
bedenken, dass Lederbänder besser haltbar und strapazierfähiger waren und deswegen wohl in den
unteren Schichten der Bevölkerung verwendet wurde, also z.B. auch bei den Kriegsknechten. Auffallend
auf Gemälden ist, dass die Nestelenden nicht nur nach außen, sondern häufig auch nach innen
gezeichnet wurden und somit in dieser Weise wohl auch getragen wurden. Somit wurden sie durch die Kleidung
verdeckt und waren nicht zu sehen.
2. Die Tracht der Frauen
enerell galten für die Frauen die gleichen Stilmerkmale
wie bei den Männern, daher werden im Folgenden nur noch die Besonderheiten der Frauentracht besprochen.
Anzumerken ist jedoch, dass es den Frauen verwehrt war Männertrachten, also Hosen und Wams, zu tragen.
Ausnahmen wurde manchmal im Krieg im Verteidigungsfall gemacht. Die Berichte darüber sind aber eher
selten.
a. Kopfbedeckung
ie Kopfbedeckung der Frauen bestand aus Tüchern und Binden
die kunstvoll entweder geknotet und gefaltet oder mit Nadeln zusammengesteckt wurden. Im mittelalterlichen
Hausbuch kann man aber auch Frauen mit ganz normalen Hüten und Mützen sehen, wie sie die Männer
trugen ? angesichts der wenigen Darstellungen auf Originalgemälden dürfte dies aber eher die
Ausnahme gewesen sein.
b. Unterkleid
as Unterkleid war meist ein aus leichtem Tuch gefertigtes enges,
d.h. figurbetontes, Untergewand, das farblich einen Kontrast zum Überkleid bildetet. Das Unterkleid war
meist ein Schlupfkleid mit einem Halsausschnitt, so dass der Kopf gerade durchpasste. Das Unterkleid war meist
knöchellang.
c. Überkleid
as Überkleid gab es sowohl in figurbetonten, engen Formen
oder auch in stoffreichen Formen die viele Falten warfen. Manche Kleider hatten nur kurze Ärmel, an denen
ein farblich abgesetztes Ärmelstück durch eine Nadel angesteckt wurde. Es gab aber auch Kleider mit
ganzen, langen Ärmeln. Gemeinsam hatten die Ärmel, dass auch sie eng geschnitten waren.
Überkleider waren grundsätzlich gefüttert.
d. Gürtel
er Gürtel der Frauen war gegenüber denen der
Männer eher lang, so dass das Ende durch einen Knoten vorne senkrecht nach unten hing. Am Gürtel
wurde auch nur eine Gürteltasche, meist aus Stoff, getragen.
g. Strümpfe
trümpfe waren meist knielang und wurden aus Leinen
genäht, da das Stricken im späten Mittelalter in vielen Regionen entweder unbekannt war oder
zumindest nicht allzu verbreitet war. Die Strümpfe wurden dann unterhalb des Knies mit einem Band
festgehalten.
3. Die Tracht der Kinder
ine Kindertracht gab es an sich nicht. Buben trugen eine
verkleinerte Ausgabe der Männertracht und Mädchen die der Frauen.
4. Die Stoffe der Kleidung
a. Wolltuch
olltuch wurde aus Schurwolle gewonnen und wurde fast
ausschließlich für Über- und Oberbekleidung verwendet. Hierzu gehören Mantel, Jacke, Wams,
Hose [7], Gugel und bei Frauen das Überkleid. Die
frühsten Belege für Einkäufe Nürnberger Tuchmacher stammen aus der Mitte des 15.
Jahrhunderts (1444-1468). Hier wurde die Wolle von Rothenburger Händler gekauft
[8]. Die Wolle stammte aus dem Rothenburger Umland, insbesondere
aus der Gegend um Ochsenfurt, Crailsheim und Uffenheim. Weiter wurde die Wolle auch aus den Schafzuchtgebieten
Süddeutschlands angekauft, dass sich auf das Main-Tauber-Gebiet, den mittleren Donau- sowie den
Oberrein-Neckar-Bereich erstreckt [9]. Die höchste
Qualität im Spätmittelalter besaß die englische Schurwolle. Man kann daher davon ausgehen,
dass englische Schurwolle in allen deutschen Städten importiert wurde. Umschlagplatz für die
englische Wolle war Calais, der Hauptverteilermarkt war Brügge. Obwohl das Herkunftsland der Wolle
England war, wurde daher oft auch von "Flämischer Wolle" gesprochen
[10].
b. Leinen
einwand wurde aus Flachs hergestellt und war vielseitig
verwendbar. Hieraus wurde für die Kleidung, vor allem Hemden, Unterhosen und für das Futter der
Überkleider verwendet. Des weiteren wurden aus Leinen oft auch Stoffgürteltaschen oder
Geldbörsen hergestellt. Aber auch im Haushalt war Leinen unersetzlich, denn Handtücher, Tischdecken,
Servietten und Säcke wurden ebenfalls aus Leinen gefertigt
[11].
c. Seide
eide war ein sehr kostspieliger Artikel und wurde daher eher
selten verwendet. Seide wurde zum Füttern edler Gewänder benutzt. Jedoch durfte nach der
Nürnberger Kleiderordnung nur Seide von minderer Qualität verwendet werden, um die
Verschwendungssucht des aufstrebenden Bürgertums einzudämmen und die Klassenhierarchie beizubehalten,
die sich besonders in den Kleidern der Menschen im Mittelalter widerspiegelte.
d. Baumwolle, Flachs und Hanf
aumwolle wurde schon seit dem 14. Jahrhundert nach Nürnberg
importiert. Die Baumwolle stammte aus Syrien, Zypern und der Türkei. Umschlagplatz und Handelsstation
für den Import der Baumwolle war dann Italien, insbesondere Venedig
[12]. So wie den Lagerbeständen von einigen Tuchmachern
Nürnbergs zufolge sicher nachgewiesen werden kann, dass sie Baumwolle lagerten und verarbeiteten, so
unklar ist es, in welcher Menge Baumwolle gebraucht wurde. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass
Baumwolle eher eine geringere Rolle für die Kleidung des Spätmittelalters hatte, da sie eben
relativ schwer zu beschaffen war. Wenn Baumwolle verwendet wurde, dann wohl als Futterstoffe für
Übergewänder, für den Haushalt, ähnlich wie Leinen, und auch nachweislich als
Stopfmaterial für Stoffrüstungen (wie beim gesteppten Waffenrock in Lübeck um 1430). Baumwolle
dürfte wahrscheinlich am häufigsten dazu verwendet worden sein, um Leinenbaumwollmischgewebe
herzustellen, die dann angenehmer zu tragen und auch flexibler zu verarbeiten waren als reines Leinen.
Flachs- und Hanftuche waren als landwirtschaftliche Nebenprodukte billig und waren daher in ärmeren
Haushalten dagegen sehr häufig zu finden.
e. Barchent
archent war ein aufgerautes (aufgeflauschtes)
Baumwoll-/Leinengemisch. Da seine Oberfläche so aufgeflauscht war, war es für die damaligen
Verhältnisse sehr weich und angenehm auf der Haut zu tragen. Das Tuch dürfte aber wegen seiner
Machart nicht ganz billig gewesen sein, zumal es zu einem nicht unerheblichen Anteil an Baumwolle bestand und
Baumwolle wegen seiner schweren Beschaffbarkeit relativ teuer war. Daher kann man davon ausgehen, dass wohl
eher die oberen Bevölkerungsschichten davon Gebrauch machen konnten. Es wurde wahrscheinlich wegen seiner
Machart überwiegend entweder als Unterwäsche oder als Innenfutter verwendet.
4. Die Farben der Kleidung
m späten Mittelalter gab es bereits ein weites
Farbspektrum. Es wäre falsch zu glauben die Farben der Kleidung seien Grau und Braun und somit sehr trist
gewesen. Im Gegenteil, das späte Mittelalter war eine sehr farbenfrohe Zeit und so wundert es nicht, dass
auch Farbtöne wie Hellblau, Türkis, Rot oder Gelb gebräuchlich waren. Von größter
Bedeutung für die spätmittelalterliche Tuchfärberei war die Waidpflanze. Durch sie wurden die
Tuchfarben Blau und Grün gewonnen und des weiteren war sie ein wichtiger Bestandteil für das
Schwarzfärben [13]. Die teuersten und wertvollsten Tuche
waren schwarze Tuche, denn es war eine Kunst ein tief schwarzes Tuch herzustellen. Daher gab es im
mittelalterlichen Nürnberg, wie auch in anderen großen Städten, sogenannte Schwarzfärber.
Diesen allein war es vorbehalten diese Kunst auszuüben. Desweiteren war es ebenfalls nicht sehr
einfach, reines, weißes Tuch herzustellen. Da die Naturprodukte, aus denen Tuch hergestellt wurde, nie
ein reines Weiß besaßen, mussten die Tuche gebleicht werden. Dies war ebenfalls nicht ganz einfach
und so ist nicht verwunderlich, dass z.B. nur hochwertige Leinensorten gebleicht wurden. Hieraus ergibt
sich, dass die Oberschicht oft schwarze Wolltuche für ihre Oberbekleidung bevorzugten, die mit reinem
weißen, manchmal auch mit rotem oder schwarzem Leinen, gefüttert wurde. Die Mittelschicht
bevorzugte billigere Stoffe für die Oberbekleidung, also vornehmlich blaue und grüne Stoffe, die mit
weißem (bzw. naturweisem) Leinen gefüttert waren. Ärmere Menschen mussten sich mit braunen
und grauen Stoffen als minderwertige Schwarzfärbung so wie Blau, Grün und mit naturfarbenen Stoffen
zufrieden geben. Ihre Oberbekleidung wurde daher mit einem naturfarbenen Leinen gefüttert.
Natürlich sind diese Grenzen fließend zu handhaben, denn eine Person der Oberschicht wird
sicherlich auch blaue, rote oder grüne Töne bevorzugt haben, wenn es seine Lieblingsfarbe war.
[1] Lehner S.74
[2] Christoph
[3] Lehner S. 89
[4] Lehner S. 89
[5] Christoph
[6] Lehner S.76, 77
[7] Sakuma S. 121
[8] Sakuma S. 83
[9] Sakuma S. 84
[10] Sakuma S. 84
[11] Sakuma S. 126
[12] Sakuma S. 92
[13] Sakuma S. 97
Literaturverzeichnis
LEHNER Julia, Die Mode im alten Nürnberg, aus: Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg 1984,
Band 36
SAKUMA Hironobu, Die Nürnberger Tuchmacher, Weber, Färber und Bereiter vom 14. bis 17 Jahrhundert,
aus: Schriftenreihe des Statdarchivs Nürnberg 1993, Band 51
CHRISTOPH Graf zu Waldburg Wolfegg, Venus und Mars, Das Mittelalterliche Hausbuch aus der Sammlung der
Fürsten zu Wolfegg, München, New York 1997
KÜHNEL Harry, Alltag im Spätmittelalter. Verlag Styria, Graz, Wien, Köln; 1990
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