Kleidung
Unterwäsche:
Für Unterhosen liegen mindestens 2 Varianten vor. 1.: Tanga-artiger Schnitt, an der Seite geschnürt.
2.: Boxer-Short-artig, vorne geschnürt. Das Tragen von Unterhosen ist nur für Männer belegt.
Strümpfe sind genäht und mit Strumpfband fixiert.
- Hosen:
Der Hosenschnitt (es ist die enganliegende, einteilige Hose zu tragen) weist
zunächst eine große Formenvielfalt auf. Sowohl der hohe als auch der niedere Bund sind
vertreten, ebenso die Hosenvarianten mit Fuß und Steg. Über der Hose werden häufig
Beinlinge getragen. Die Befestigung der Schamkapsel ist zunächst ungeklärt, Möglichkeiten
sind die Befestigung außen an der Hose (vgl. spätere Beispiele (Breughel)) oder ein
Überschneiden der Schamkapsel durch die Hose. Der Nürnberger Kriegsknecht trägt
Beinkleider in den Farben Rot und Weiß. Was die zivile Kleidermode anbelangt, ist u.a. auf die
Nürnberger Kleiderordnung zu verweisen.
Hemden: Der Schnitt des
Hemdes ist schlicht, meist ohne Kragen mit einfachem Schlupf und ohne Fältelung. Der Halsausschnitt
ist gerade so groß, daß der Kopf hindurch passt oder von Schulter zu Schulter. Die Länge
variiert von Taillenlänge bis über das Gesäß, selten länger.
- Wams:
Der "klassische" süddeutsche Wams hat einen V-förmigen Ausschnitt, der in
der Taille zusammenläuft. Der Ausschnitt wird im Zickzack oder in Parallelen geschnürt und liegt
überall eng am Körper an. Der schmale Stehkragen verläuft über den Rücken von
Schulternaht zu Schulternaht und wird mit Schnüren über dem Hals genestelt. Der Wams ist mit
Ärmeln versehen, die ebenfalls eng anliegen, unter der Achsel geschlitzt werden und ab dem Ellenbogen
zum Handgelenk in der Regel geschnürt sind. Der Schoß ist entweder kurz (ca. 6cm), oder er
reicht bis kurz über das Gesäß und ist an den Seiten bis zur Taille geschlitzt. Wämser
ohne Ärmel tauchen selten auf, und sind zugunsten des Gesamteindruckes der Kleidung zu vermeiden.
- Jacke:
Die Jacke ist schlicht und gerade geschnitten, hat keine Puffärmel und die
Rückenfältelung ist gelegt und nicht genäht (siehe Hausbuch). Sie reicht bis kurz über
das Gesäß und ist an den Seiten bis zur Taille geschlitzt. Sie hat keinen oder einen leichten
Stehkragen und wird nur mittels einer Nestelung über der Brust geschlossen. Die Ärmel sind gerade
geschnitten und reichen in etwa bis auf die Mitte des Handrückens.
- Gürtel:
Der Gürtel des Mannes ist kurz und dünn, der der Frau lang und
dünn. Selten sind bei Männern breitere Varianten des Gürtels zu beobachten.
- Gugel:
Die Formenvielfalt ist bei der Gugel groß. Bei Kriegsknechten im Hausbuch jedoch
herrschen zwei Varianten vor. Die Gugel ohne Zopf und mit auf der Brust und dem Rücken mehrfach
geschlitzten (?Fransen?) schulterfreiem Kragen und die Gugel mit großem Cape, das bis über die
Brust fällt. In der Regel sind alle Gugeln weiß oder farbig gefüttert.
- Schuhwerk:
Einfache halb- oder halbhohe Schuhe mit leichter Spitze, in wende- oder
rahmengenähter schwerer Ausfertigung. Doppelte Sohlen und Nagelung sind wahrscheinlich.
- Kopfbedeckung:
Jeder hat eine Kopfbedeckung zu besitzen und zu tragen. Die Formenvielfalt ist
wiederum groß. Häufig sieht man einfache stehende Mützen und Pelz(?)Hüte mit
kugelförmiger Kalotte und schmaler Krempe.
- Mäntel/Umhänge:
Bei Mänteln ist auf den bis zum Knöchel verlängerten
Schnitt der Jacke zurückzugreifen. Die Ärmel sind manchmal absurd lang und der Kragen sowie das
Futter aus Pelzwerk. Der Umhang ist entweder halblang (bis über das Gesäß), geknöpft
und auf die Schulter gedreht, oder geschnürt und lässt so den rechten Arm frei oder reicht bis
auf die Knöchel. In dieser Länge wird er vorne ebenfalls mit 3-4 Knöpfen geschlossen. Ein
schmaler Stehkragen ist bei vielen Umhängen zu sehen.
- Wappenabzeichen (Batches):
Aufgrund der Tatsache, dass es weder Abbildungen noch
Textüberlieferung von Abzeichen auf Kleidungsstücken gibt, sollte man bis auf weiteres auf Batches
verzichten. Für das Jahr 1475 ist verbürgt, das Friedrich III. vom Reichsaufgebot verlangt, das
Georgssymbol (rotes Kreuz auf weißem Grund) auf dem Weg nach Neuss als ein Batch auf der Kleidung
zu tragen. |
- Frauenkleidung:
Generell gelten für Frauen die gleichen Stilmerkmale wie bei Männern.
Besonders ist darauf zu achten, daß Frauen ab dem sechzehnten Lebensjahr Hauben tragen, die aus
weißen Leinentüchern gelegt werden. Ähnlich wie beim männlichen Kopfputz ist die
Formenvielfalt groß und unterscheidet sich stark regional. Die Kleidung besteht aus Unter- und
Überkleid, wobei der Geldbeutel oder andere Taschen
häufig zwischen diesen getragen wird. Das Unterkleid besteht zumeist aus weißem, manchmal aber auch
farbigem, Leinen oder Mischgewebe. Das Oberkleid weist oft kurze Ärmel auf, an die andersfarbige, lange
Ärmel mit einer Nadel geheftet werden. (Quellen und Bildmaterial sind u.a. dem Hausbuch zu entnehmen.)
- Stoffe:
Leinen, Baumwolle, Leinen-Baumwoll-Mischgewebe, Schurwolle und Rauhwerk (Pelz).
Farben waren nahezu alle möglich, für die "einfachen" Leute allerdings von geringer
Qualität und Haltbarkeit (verwaschen), vorzugsweise blau und grün. Sattes Schwarz war schwer
herzustellen und teuer, und ist daher für den einfachen Kriegsknecht zu vermeiden.
- Nähte:
Zumindest sichbare Nähte (Außennähte, Säume) sind nach
Möglichkeit mit der Hand zu nähen.
Ausrüstung
- Generell:
Am Gürtel werden nur Tasche und Waffe getragen!
- Geschirr:
Holzteller/-Schale, Holzlöffel mit kurzem Griff, Essmesser, Daubenbecher oder
gedrechselter Becher oder Vierpassbecher aus Keramik. Musterbeispiele sind vorzugsweise Fundstücke aus
dem Gasthaus zum wilden Mann, Spitalfunde; Bad Windsheim oder die Exponate der Nürnberger Burg oder des
Germanischen Nationalmuseums. Zinngeschirr und ?besteck sind in Gebrauch, jedoch für den einfachen
Kriegsknecht i.d.R. zu teuer.
- Persönlicher Besitz:
Feuerstein, Stahl und Zunder, Geldbeutel, Strohsack, Wolldecke,
Kissen(?), Waschzeug (Handtuch, Kamm, Schwamm; Seife/Zahnbürste vorerst ungeklärt),
Feldflasche.
- Allgemein: Die meisten Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Messer, Brillen,
Wachstäfelchen aber auch Glasbehälter, waren futteralisiert.
Prioritätenliste
Niemand kann von Anbeginn eine perfekte Ausrüstung haben. Aber leider wird oft Zeit und Geld in
Ausrüstungsgegenstände investiert, ohne vorher für andere, wichtigere Dinge gesorgt zu haben.
Als Anhaltspunkt haben wir diese Prioritätenliste erstellt.
I. Dies muss jeder haben:
- Kleidung
- Kopfbedeckung
- Schuhe
- Gürtel
- Kleine Gürteltasche oder Beutel
- Trinkgefäß
- Essschüssel bzw. Teller
- Löffel
- Essmesser
II. Dies sollte jeder haben:
Allgemein
- Strohsack und Wolldecken (Es MUSS aber nicht in authentischen Sachen geschlafen werden)
- Umhängetasche/Brotbeutel
Frauen
- Feuerstein, Stahl und Lunte oder Zunder
- Geldbeutel
- Nähzeug
- Waschzeug (Naturschwamm, Kamm, Kernseife, kleines Leinenhandtuch)
- Lampe mit handgezogenen Kerzen
- Geräte je nach ausgesuchter Aufgabe
Männer
- Feuerstein, Stahl und Lunte oder Zunder
- Waschzeug (Naturschwamm, kleines Leinenhandtuch)
- Lampe mit handgezogenen Kerzen
- Dolch
- Geräte oder Waffen nach ausgesuchter Aufgabe (z.B. Kriegsknecht: Stangenwaffe, Trommler: Trommel,
Schütze: Armbrust, Bogen oder Hakenbüchse etc.)
III. Dies ist nicht so wichtig:
- Helm
- Beiwaffe (kleines Schwert oder größerer Rugger)
- Panzerhandschuhe
- Rüstung (Brustplatte, Kettenhemd, Gambeson)
- Armzeug
- Beinzeug
- Rückenplatte
- Zweiter Satz Kleidung (für Männer und Frauen)
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