Statuten


Kleidung und Ausrüstung für das Nürnberger
Aufgebot auf dem Weg nach Neuss 1474

Kleidung

  • Unterwäsche:
    Für Unterhosen liegen mindestens 2 Varianten vor. 1.: Tanga-artiger Schnitt, an der Seite geschnürt. 2.: Boxer-Short-artig, vorne geschnürt. Das Tragen von Unterhosen ist nur für Männer belegt. Strümpfe sind genäht und mit Strumpfband fixiert.
  • Hosen:
    Der Hosenschnitt (es ist die enganliegende, einteilige Hose zu tragen) weist zunächst eine große Formenvielfalt auf. Sowohl der hohe als auch der niedere Bund sind vertreten, ebenso die Hosenvarianten mit Fuß und Steg. Über der Hose werden häufig Beinlinge getragen. Die Befestigung der Schamkapsel ist zunächst ungeklärt, Möglichkeiten sind die Befestigung außen an der Hose (vgl. spätere Beispiele (Breughel)) oder ein Überschneiden der Schamkapsel durch die Hose. Der Nürnberger Kriegsknecht trägt Beinkleider in den Farben Rot und Weiß. Was die zivile Kleidermode anbelangt, ist u.a. auf die Nürnberger Kleiderordnung zu verweisen.
  • HemdHemden:
    Der Schnitt des Hemdes ist schlicht, meist ohne Kragen mit einfachem Schlupf und ohne Fältelung. Der Halsausschnitt ist gerade so groß, daß der Kopf hindurch passt oder von Schulter zu Schulter. Die Länge variiert von Taillenlänge bis über das Gesäß, selten länger.
  • Wams:
    Der "klassische" süddeutsche Wams hat einen V-förmigen Ausschnitt, der in der Taille zusammenläuft. Der Ausschnitt wird im Zickzack oder in Parallelen geschnürt und liegt überall eng am Körper an. Der schmale Stehkragen verläuft über den Rücken von Schulternaht zu Schulternaht und wird mit Schnüren über dem Hals genestelt. Der Wams ist mit Ärmeln versehen, die ebenfalls eng anliegen, unter der Achsel geschlitzt werden und ab dem Ellenbogen zum Handgelenk in der Regel geschnürt sind. Der Schoß ist entweder kurz (ca. 6cm), oder er reicht bis kurz über das Gesäß und ist an den Seiten bis zur Taille geschlitzt. Wämser ohne Ärmel tauchen selten auf, und sind zugunsten des Gesamteindruckes der Kleidung zu vermeiden.
  • Jacke:
    Die Jacke ist schlicht und gerade geschnitten, hat keine Puffärmel und die Rückenfältelung ist gelegt und nicht genäht (siehe Hausbuch). Sie reicht bis kurz über das Gesäß und ist an den Seiten bis zur Taille geschlitzt. Sie hat keinen oder einen leichten Stehkragen und wird nur mittels einer Nestelung über der Brust geschlossen. Die Ärmel sind gerade geschnitten und reichen in etwa bis auf die Mitte des Handrückens.
  • Gürtel:
    Der Gürtel des Mannes ist kurz und dünn, der der Frau lang und dünn. Selten sind bei Männern breitere Varianten des Gürtels zu beobachten.
  • Gugel:
    Die Formenvielfalt ist bei der Gugel groß. Bei Kriegsknechten im Hausbuch jedoch herrschen zwei Varianten vor. Die Gugel ohne Zopf und mit auf der Brust und dem Rücken mehrfach geschlitzten (?Fransen?) schulterfreiem Kragen und die Gugel mit großem Cape, das bis über die Brust fällt. In der Regel sind alle Gugeln weiß oder farbig gefüttert.
  • Schuhwerk:
    Einfache halb- oder halbhohe Schuhe mit leichter Spitze, in wende- oder rahmengenähter schwerer Ausfertigung. Doppelte Sohlen und Nagelung sind wahrscheinlich.
  • Kopfbedeckung:
    Jeder hat eine Kopfbedeckung zu besitzen und zu tragen. Die Formenvielfalt ist wiederum groß. Häufig sieht man einfache stehende Mützen und Pelz(?)Hüte mit kugelförmiger Kalotte und schmaler Krempe.
  • Mäntel/Umhänge:
    Bei Mänteln ist auf den bis zum Knöchel verlängerten Schnitt der Jacke zurückzugreifen. Die Ärmel sind manchmal absurd lang und der Kragen sowie das Futter aus Pelzwerk. Der Umhang ist entweder halblang (bis über das Gesäß), geknöpft und auf die Schulter gedreht, oder geschnürt und lässt so den rechten Arm frei oder reicht bis auf die Knöchel. In dieser Länge wird er vorne ebenfalls mit 3-4 Knöpfen geschlossen. Ein schmaler Stehkragen ist bei vielen Umhängen zu sehen.
  • Wappenabzeichen (Batches):
    Aufgrund der Tatsache, dass es weder Abbildungen noch Textüberlieferung von Abzeichen auf Kleidungsstücken gibt, sollte man bis auf weiteres auf Batches verzichten. Für das Jahr 1475 ist verbürgt, das Friedrich III. vom Reichsaufgebot verlangt, das Georgssymbol (rotes Kreuz auf weißem Grund) auf dem Weg nach Neuss als ein Batch auf der Kleidung zu tragen.
  • Frauenkleidung:
    Generell gelten für Frauen die gleichen Stilmerkmale wie bei Männern. Besonders ist darauf zu achten, daß Frauen ab dem sechzehnten Lebensjahr Hauben tragen, die aus weißen Leinentüchern gelegt werden. Ähnlich wie beim männlichen Kopfputz ist die Formenvielfalt groß und unterscheidet sich stark regional. Die Kleidung besteht aus Unter- und Überkleid, wobei der Geldbeutel oder andere Taschen häufig zwischen diesen getragen wird. Das Unterkleid besteht zumeist aus weißem, manchmal aber auch farbigem, Leinen oder Mischgewebe. Das Oberkleid weist oft kurze Ärmel auf, an die andersfarbige, lange Ärmel mit einer Nadel geheftet werden. (Quellen und Bildmaterial sind u.a. dem Hausbuch zu entnehmen.)
  • Stoffe:
    Leinen, Baumwolle, Leinen-Baumwoll-Mischgewebe, Schurwolle und Rauhwerk (Pelz). Farben waren nahezu alle möglich, für die "einfachen" Leute allerdings von geringer Qualität und Haltbarkeit (verwaschen), vorzugsweise blau und grün. Sattes Schwarz war schwer herzustellen und teuer, und ist daher für den einfachen Kriegsknecht zu vermeiden.
  • Nähte:
    Zumindest sichbare Nähte (Außennähte, Säume) sind nach Möglichkeit mit der Hand zu nähen.

Ausrüstung

  • Generell:
    Am Gürtel werden nur Tasche und Waffe getragen!
  • Geschirr:
    Holzteller/-Schale, Holzlöffel mit kurzem Griff, Essmesser, Daubenbecher oder gedrechselter Becher oder Vierpassbecher aus Keramik. Musterbeispiele sind vorzugsweise Fundstücke aus dem Gasthaus zum wilden Mann, Spitalfunde; Bad Windsheim oder die Exponate der Nürnberger Burg oder des Germanischen Nationalmuseums. Zinngeschirr und ?besteck sind in Gebrauch, jedoch für den einfachen Kriegsknecht i.d.R. zu teuer.
  • Persönlicher Besitz:
    Feuerstein, Stahl und Zunder, Geldbeutel, Strohsack, Wolldecke, Kissen(?), Waschzeug (Handtuch, Kamm, Schwamm; Seife/Zahnbürste vorerst ungeklärt), Feldflasche.
  • Allgemein: Die meisten Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Messer, Brillen, Wachstäfelchen aber auch Glasbehälter, waren futteralisiert.

Prioritätenliste

Niemand kann von Anbeginn eine perfekte Ausrüstung haben. Aber leider wird oft Zeit und Geld in Ausrüstungsgegenstände investiert, ohne vorher für andere, wichtigere Dinge gesorgt zu haben. Als Anhaltspunkt haben wir diese Prioritätenliste erstellt.

I. Dies muss jeder haben:

  • Kleidung
  • Kopfbedeckung
  • Schuhe
  • Gürtel
  • Kleine Gürteltasche oder Beutel
  • Trinkgefäß
  • Essschüssel bzw. Teller
  • Löffel
  • Essmesser

II. Dies sollte jeder haben:

Allgemein

  • Strohsack und Wolldecken (Es MUSS aber nicht in authentischen Sachen geschlafen werden)
  • Umhängetasche/Brotbeutel

Frauen

  • Feuerstein, Stahl und Lunte oder Zunder
  • Geldbeutel
  • Nähzeug
  • Waschzeug (Naturschwamm, Kamm, Kernseife, kleines Leinenhandtuch)
  • Lampe mit handgezogenen Kerzen
  • Geräte je nach ausgesuchter Aufgabe

Männer

  • Feuerstein, Stahl und Lunte oder Zunder
  • Waschzeug (Naturschwamm, kleines Leinenhandtuch)
  • Lampe mit handgezogenen Kerzen
  • Dolch
  • Geräte oder Waffen nach ausgesuchter Aufgabe (z.B. Kriegsknecht: Stangenwaffe, Trommler: Trommel, Schütze: Armbrust, Bogen oder Hakenbüchse etc.)

III. Dies ist nicht so wichtig:

  • Helm
  • Beiwaffe (kleines Schwert oder größerer Rugger)
  • Panzerhandschuhe
  • Rüstung (Brustplatte, Kettenhemd, Gambeson)
  • Armzeug
  • Beinzeug
  • Rückenplatte
  • Zweiter Satz Kleidung (für Männer und Frauen)