Veste Coburg 2006


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Die ergoetzliche Chronik des Hauptmanns Harald von der Belagerung der Veste Coburg


Die Geschichte ist eine Erfindung, die Ereignisse haben sich aber tatsächlich zugetragen.

Prolog

m Jahr des Herrn 1469 gab der König von Bayern der Stadt Ansbach und der freien Reichsstadt Nürnberg zu verstehen, dass er keine weiteren Streitigkeiten um Zölle mehr dulde. Er verlangte daher von beiden Städten, sich an dem Tage vor Pfingsten an einem neutralen Ort, dem Kloster Schönrain am Main, zu treffen.
Von der Stadt Ansbach wurde Meister Dietrich Pott beauftragt, die Verhandlungen zu übernehmen und mit einem zufriedenstellenden Ergebnis zurückzukehren.
Für die Stadt Nürnberg sollte Meister Ulrich vor der königlichen Abgesandtschaft vorsprechen.

ie Verhandlungen indes dauerten aber nicht einmal einen Glockenschlag, dann hatte Meister Pott mit seinen Mannen dem Verhandlungsspuk ein Ende bereitet und sowohl die Nürnberger Delegation als auch die Königliche Gesandtschaft kurzerhand niedergemetzelt.
Meister Pott zog nun nach verrichteter Arbeit zur Stadt Ansbach zurück, und verkündete dem Stadtrat, dass die Verhandlungen zur vollen Zufriedenheit verlaufen waren und ihm zum Ende keiner mehr widersprochen hätte. Davon, dass nur deswegen keiner widersprochen hatte, weil alle anderen dem Tode überantwortet waren, erwähnte er jedoch nichts.
Der Stadtrat von Ansbach war sehr beeindruckt von der Leistung des Meisters.

mso mehr war der Stadtrat verwundert, als eine Woche später ein Heerzug aus Nürnberg, unterstützt von königlichen Rittern, vor den Toren der Stadt Ansbach stand und eine Urkunde des Königs vorgezeigt wurde, welche die Vorkommnisse beim Kloster Schönrain beschrieb und im folgenden Meister Pott für vogelfrei erklärte.
Das Nürnberger Heer forderte Meister Pott heraus, da sonst die Stadt Ansbach die Konsequenzen zu tragen hätte und niedergebrannt würde. Da sich die Stadt Ansbach nicht mit dem König von Bayern anzulegen traute, willigten sie der Herausgabe ein.

eister Pott, stets auf der Hut, bekam jedoch Wind von der Sache und konnte, noch während vor dem Haupttor verhandelt wurde, unbemerkt fliehen.
Sechs Jahre lang waren seither vergangen, doch im Jahre des Herrn 1476 fand die Stadt Nürnberg endlich heraus, wo sich Meister Pott versteckt hielt. Auf der Veste Coburg, beschützt von seinem einstigen Weggefährten Tobias von Coburg, auch ?Der Kluge? genannt.
Die Stadt Nürnberg gab daher ihrem Kampferprobten Meister Harald Maußner von Nürnberg, auch ?Der Glückliche? genant, eine kleine Abordnung mit 100 Bewaffneten und einigen Kanonen an die Hand, um Meister Pott nach Nürnberg zu holen, um ihn gerechter Strafe zuzuführen.

m ersten Tage im Juli, im Jahre des Herrn 1476, beginnt die Belagerung der Veste Coburg mit der Forderung an Tobias von Coburg, Meister Dietrich Pott tot oder lebendig herauszugeben.
Die folgenden Ereignisse haben sich am 1. und 2. Juli tatsächlich zugetragen.
Dies sind Auszüge aus den Chroniken von Meister Maußner.



Samstag, 1. Juli


8:30 Uhr

Ein sonniger Morgen, dass Lager erwacht, die Trommel schlägt zum Wecken.

10:00 Uhr

Nach dem Frühstück lässt Meister Maußner die Trommel schlagen um seine Knechte auf die bevorstehende Belagerung einzustimmen. Nachdem den Rottmeistern und Offizieren ihre Tagesbefehle zugeteilt sind, begeben sich die Rotten zur Bärenbastei, um dort die Belagerungsstellungen auszubauen.

10:30 Uhr

Die ersten Verwundeten treffen im Lazarett bei unseren Feldscheren Gevatterin Wanja und Gevatter Weckenmann ein. Leider hat es als ersten Meister Daniel, den Rottmeister der Büchsenschützen, erwischt. Ein Pfeil steckt auf seiner linken Seite am Halsansatz. Die Feldschere tun ihr möglichstes, ihn zu retten. Die Wundheilerin Wanja versichert auf mein Nachfragen, dass er durchkommen wird.

10:45 Uhr

Immer mehr Verwundete treffen im Lazarett ein. Ich beschließe mit meinem Adjutanten Meister Tobias Putzo mir persönlich ein Bild von der Lage bei der Angriffsstellungen zu machen.
Währen ich durch das Lager zur Angriffsstellung gehe, kommen mir immer weitere Wagen mit verletzten Knechten entgegen. Am Eingang sitzen die Kanoniere und bereiten die Kanonen für den ersten großen Angriff vor. Meister Robert Adunka, mein Hurenweibel, berichtet, dass seine Wache eingeteilt ist.
An der Angriffsstellung angekommen, bietet sich mir ein schreckliches Bild. Ich sehe eine handvoll Verteidiger mit Ihren Bögen auf der Festungsmauer, wie sie einen um den anderen meiner Leute mit ihren Pfeilen treffen. Um mich herum fallen Kriegsknechte. Ich sehe, wie Meister Matthis, der wackere Feldscherhelfer, gerade einem am Boden liegenden, getroffenen Soldaten, erste Hilfe gibt. Als Meister Matthis aufstehen will, durchbohrt ein Pfeil seinen Kopf und er sinkt wie ein nasser Sack zusammen.
Meister Nowak, mein Schanzmeister, kommt herangeeilt und sagt zu mir, dass wir den Angriff auf diese Weise nicht lange durchhalten können. Die Schanzknechte kauern hinter den Stellwänden um nicht getroffen zu werden. Als ich den Befehl gebe, dass die Stellungen ausgebaut werden müssen, weil Meister Arnswald seine Kanonen in Stellung bringen muss, wird endlich weitergeschanzt.

12:00 Uhr

Es ist inzwischen Mittag. Die Knechte sind bereits erschöpft, Wasser und Essen ist Mangelware und die Motivation der Knechte sinkt langsam aber stetig.
Tobias von Coburg ruft auf einmal von der Festungsmauer herab und verlangt Verhandlungen. Als ich zu ihm hinaufblicke, teilt er mit, es sei ihm gelungen, zwei unserer Wassermaiden, einen flämischen Söldner und zwei weitere Knechte gefangen zu nehmen. Er will im Austausch Pfeile und Holz.
Wir vereinbaren zunächst, uns unten am Dicken Turm, zwischen unserer Stellung und unserem Lager, zu Verhandlungen zu treffen. Als erstes werden Geiseln austauscht, um sicher zu stellen, dass die Verhandlungen fair verlaufen.
Am Turm werden einer meiner besten Knechte, Meister Jörg von Amberg, und für die Gegenseite die Gattin von Tobias von Coburg selbst, zur Gewährleistung in die Gewalt der jeweils generischen Partei übergeben.
Danach begebe ich mich mit dem klugen Tobias von Coburg zum Verhandlungsbaldachin und wir treten in die Verhandlungen ein. Ich versuche Tobias jedes Stück Holz und jeden Pfeil abzuringen, er ist aber ein geschickter und harter Verhandlungspartner. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihm für meine Knechte und Wassermaiden das zu geben, was er will.
Als die Geiseln wieder zurückgetauscht werden sollen, befreit sich Meister Jörg plötzlich aus eigenen Stücken, und reißt Tobias von Coburg zu Boden. Wir haben Ihn und seine Frau gefangen. Ich kann jedoch vor Gott nicht mein Versprechen brechen, dass ich Tobias gegeben habe, dass ihm hier kein Leid geschehen wird. Daher lasse ich ihn wieder frei und in seine Burg ziehen. Da ich bezüglich seinem Weib, der schönen Patrizia von Coburg, nichts versprochen habe, wird sie bei uns gefangen gehalten.

14:00 Uhr

Der Profos Meister May und Meister Putzo, meine rechte Hand, kommen zum Entschluss, drastischere Mitteln anzuwenden, um Meister Pott zu bekommen. Die Burg scheint besser befestigt zu sein als wir glauben. Tobais von Coburg hat seine Knechte am Bogen hervorragen ausgebildet und Tobias ist in der Kriegsführung ein schlauer Fuchs.
Beide raten mir daher, dass wir dem Weib von Tobias von Coburg, Patrizia, ein Ohr abschneiden sollten und Tobias dieses mit einer Pfeilpost hinaufschicken sollten, um unseren Forderungen nach Meister Pott Nachdruck zu verleihen. Ich bin dagegen, jemanden, der an sich nichts vor Gott verbrochen hat, ein Leid anzutun. Wir kommen daher zu dem Entschluss, das Ohr von Patrizia vermessen zu lassen und ein ähnliches Ohr von einer gefallenen Wassermaid abzuschneiden, und dieses anstatt Patrizias Ohr hinaufzusenden. Und diesen Tobias nennen sie klug!
Meister Kim wird beauftragt, die Pfeilbotschaft zu Tobias zu schicken, die neben dem Ohr eine Nachricht enthält, Tobias solle auf der Stelle Meister Pott herausgeben, sonst er sein Weib in Stücken zurück erhält.

15:00 Uhr

Bevor eine Antwort von Tobias an uns gelangt, kann sich Patrizia befreien, weil der wohl trunkene Wachknecht Seegras nicht aufgepasst hat. Ich teile ihm mit, dass er sich dafür vor dem Standgericht verantworten muss, außerdem frage ich Ihn, ob ihm klar ist, dass durch seine Unachtsamkeit wahrscheinlich viele gute Nürnberger Knechte fallen werden, weil wir jetzt die Belagerung fortsetzen müssen.

16:00 Uhr

Eine Pfeilbotschaft erreicht mich, in der mir Tobias mitteilt, dass er Meister Ulrich, einen meiner Rottmeister gefangen hat. Zur Untermauerung seiner Behauptung hat er mir sein Ohr mitgesandt. Ich gebe Meister Jörg von Amberg wegen seiner guten Dienste das Kommando über Ulrichs Rotte, den verwegenen Knechten aus Furth.

16:30 Uhr

Da ich keine Möglichkeit mehr sehe, um dem Beschuss der Veste herumzukommen, lasse ich alle Knechte antreten, um sie über den Angriff auf die Festung zu unterrichten. Meister Arnswald und die Nürnberger Geschützknechte bringen die Kanonen in Stellung, die Männer marschieren zum Angriff. Meister Von der Heide und Meister Petitjean haben zum Glück die Sturmkatze fertig stellen können, so dass die Knechte den Angriff nicht völlig ungeschützt vornehmen müssen.
Als ich den Angriffsbefehl geben will, kommt Meister Nowak und berichtet, dass die vorderen Räder an der Katze fehlen. Ich frage ihn, wer zu dieser Zeit Wache hatte, er kann dies jedoch nicht beantworten. Tobias von Coburg verlangt plötzlich nach Verhandlungen und will erneut Pfeile, sowie Holz. Dann würde er uns die Räder für die Katze wieder geben. Da ich meine Männer nicht ungeschützt vorrücken lassen kann, muss ich ihm gewähren, was er verlangt.

17:00 Uhr

Ich gebe den Angriffsbefehl. Der Angriff ist ein Fiasko. Die Knechte stürmen bereits vor, als die Kanonen die Festung noch nicht genügend sturmreif geschossen haben. Der Versuch, die Sturmleitern aufzustellen, misslingt, weil die Verteidiger ungehindert auf die Knechte schießen können, und Meister Arnswald seine Kanonen nicht zünden kann, weil die Knechte des Meister Jörg in der Schusslinie stehen.
Der Angriff wird abgebrochen. Meister Arnswald läst zwar aus allen Rohren feuern, für einen zweiten Angriffsversuch haben wir aber zu viele Verletzte zu beklagen.
Erzürnt über diesen dilettantischen Angriffsversuch lasse ich den Angriff beenden und lasse befehlen, auf dem Hauptlagerplatz anzutreten. Dort teile ich den Rottmeistern meine Meinung über diesen Angriff mit und außerdem, dass wir es morgen besser machen müssen, wenn wir jemals Meister Pott haben wollen. Ich befehle ihnen, für heute die Belagerung zu beenden und entlasse die Knechte zum Essenfassen.
Als ich in mein Zelt komme, muss ich feststellen, dass meine Reliquien geraubt sind. Mein Glück verlässt mich. Mir wird klar, ohne meine Reliquien kann ich diese Belagerung nicht erfolgreich beenden.



Sonntag 02. Juli


8:30 Uhr

Ich lasse Wecken. Meister Putzo und ich kommen zum Entschluss, dass wir die Festung von Tobias untergraben müssen, und der Rote Turm, das Pulverlager von Tobias Festung, in die Luft gesprengt werden muss. Wenn das gelingt, wird die halbe Festung in die Luft gesprengt und wir können ungehindert einfallen.

10:00 Uhr

Ich beauftrage daher Meister Ernst mit der Aufgabe eine Sappeursstellung, die Meister Ulrich bereits am Samstag errichtet hat, auszubauen und den Tunnel zum roten Turm weiter voran zutreiben, um dort eine Bombe zu zünden.
Die anderen Rottmeister gehen an die Angriffsstellungen, die Schanzungen müssen verbessert werden. Als Meister May mit seiner Rotte bereit ist, beginnt ein Scheinangriff. Es gelingt ihm, gedeckt von der Sturmkatze, in die Sappeursstellung zu gelangen und zu graben.
Heute bietet sich allerdings das gleiche schreckliche Bild wie am Vortag. Die Schützen von Tobias setzen meinen Schanzknechten erheblich zu. Die Rotte von Meister Jörg hat sich für einen weiteren kleinen Scheinangriff hinter einer Stellwand neben der Sturmkatze verschanzt und als ich einen Nachrichtenläufer in den Stollen senden will, und Meister Jörg einen Ablenkungsangriff durchführen soll, haben anscheinenden die Bogenschützen von Tobias die Rotte von Meister Jörg hinter der Stellwand bemerkt und nehmen sie unter Beschuss. Die Rotte von Meister Jörg wird in einem Pfeilhagel eingedeckt. Die Rotte bricht von Pfeilen getroffen auseinander. Die Knechte Fallen wie Säcke zusammen. Es gelingt den wenigen verbleibenden Knechten gerade noch, ihre verwundeten Kameraden aus dem Schussfeld zu zerren und sie zum Lazarett zu bringen.


11:00 Uhr

Ich habe die Rotten von Meister Nowak und Meister Jörg wegen der ausgefallenen und erschossenen Knechte zusammengelegt und befehle ihnen, die Katze vorrücken zu lassen, damit endlich der Meldeläufer in die Sappeursstellung gelangen kann. Der Plan gelingt. Allerdings steht die Sturmkatze heftig unter Beschuss. Die Steinbrocken krachen hart auf die zu einem Dach formierten Schilde. Die Knechte in der Katze können der Wucht der Steine kaum Stand halten.
Dem Meldeläufer gelingt es jedoch, wieder sicher geschützt von der Sturmkatze zurückzukehren. Er teilt mir mit, dass der rote Turm erreicht ist und nun die Bombe herangebracht werden soll.
Ich beauftrage den noch immer am Kopf erheblich verletzten Meister Matthis mit der Aufgabe, die Bombe, unterstützt von unseren flämischen Söldnern, zur Sappeursstellung zu bringen. Ich erteile daher erneut den Befehl, mit der Sturmkatze als Schutzschild vorzurücken. Den Flamen und Meister Matthis gelingt es tatsächlich, die Bombe in die Sappeursstellung zu schaffen. Die Sturmkatze zieht sich wieder zurück.
Just als ich Meister Putzo um die Einschätzung der Lage fragen will, trifft mich ein Pfeil in die rechte Seite. Ich sinke zusammen, mir wird es schwarz vor den Augen.
Ich komme wieder zu mir auf einem kleinen Wagen, der von den Helfen der Feldschere gezogen wird. Die Zelte fliegen wie in einem Alptraum an mir vorbei. Im Lazarett angekommen werde ich auf einen Tisch gewuchtet, meine Rüstung wird geöffnet und Gevatterin Wanja beginnt, mir den Pfeil herauszuschneiden. Die Schmerzen sind unerträglich und ich winde mich hin und her, ich werde auf dem Tisch festgebunden. Dann werde ich wieder ohnmächtig. Ich komme zu mir auf einem Bett im Zelt der Feldschere. Das Sprechen schmerzt mich. Meister Adunka und Meister May kommen und wollen fragen, was weiter zu tun sei. Ich betone noch einmal, dass der rote Turm der Schlüssel zur Burg ist und er gesprengt werden muss. Alle die herumstehen denken ich halluziniere. Keiner weiß etwas von einem roten Turm. Gott sei dank kommt Meister Putzo, der die Angriffskarte gezeichnet hat, auf welcher der rote Turm eingezeichnet ist. Meister Adunka und Meister May geben mir zu verstehen, dass sie meine Anweisungen verstanden haben und nachsehen werden, wie weit die Vorkehrungen mit dem roten Turm sind.
Mir wird eine Medizin verabreicht. Auf einmal sehe ich eine blaue Libelle, die oben im Zelt kreist, herum, herum, herum, immer rund herum. Als ich das den Feldscheren mitteile, glauben die beiden guten Gevatter, ich sei vor Schmerzen wahnsinnig geworden. Ich beginne nun selbst an mir zu zweifeln. Eine Magd im Lazarett, die mir erneut eine Medizin gibt, will sich meiner Worte vergewissern und schaut nach oben zum Zeltdach. Sie sagt mir, dass dort tatsächlich eine blaue Libelle kreist. Ich bin erleichtert und bedanke mich bei ihr, denn ich weiß jetzt, dass ich nicht wahnsinnig bin.
Auf einmal gibt es einen lauten Knall. Ich hoffe, dass dies der rote Turm war und Meister May, der Teufelskerl, es geschafft hat, den Turm in die Luft zu sprengen.
Nach kurzer Zeit kommen Verletzte ins Lazarett. Sie berichten mir, dass die Bombe zu früh explodiert ist und noch einige Männer im Stollen waren. Da kommen auch schon die verstümmelten Knechte ins Lazarett. Ich sehe einen Knecht dem ein Holzsplitter im Kopf steckt. Einige sind Blutüberströmt. Dann kommt Meister Ernst, Gott sei Dank lebend, zu uns. Ihm wurde allerdings die Hand abgerissen. Gevatterin Wanja befiehlt ihn festzubinden, um eine Notamputation durchzuführen. Ich höre ihn schreien, weil Wanja mit dem Amputationsmesser das Fleisch vom Handansatz aufschneidet. Dann höre ich, wie die Knochensäge durch seinen Armknochen ratscht. Nur fünf, sechs Züge, dann ist es still. Meister Ernst ist wahrscheinlich ohnmächtig geworden. Ich höre in der Stille das Brandeisen, wie es am Armstumpf von Meister Ernst zischt um die offene Wunde zu verschließen.
Auf einmal kommt Meister May. Er bringt mir meine Reliquien zurück, Beide Hodensäcke des heiligen St. Sebald und der Rost vom Rost des heiligen Laurentius. Mein Glück scheint zurückgekehrt zu sein. Mir geht es auf einmal schon viel besser und ich kann mich tatsächlich aufrichten.
Meister May erzählt mir, dass er zwei Weiber in die Burg zu Tobias eingeschleust hatte, welche sich als Huren ausgegeben haben. Ihnen ist es gelungen, Tobias die Reliquien wieder zu entwenden. Dieser Meister May ist schon ein schlauer Hund.

13:30 Uhr

Ich lasse mich auf einen kleinen Wagen zur Angriffsstellung fahren. Ich bin noch zu schwach, um zu laufen. Trotzdem geht es mir von Minute zu Minute besser. Ich beauftrage Meister Robert, mir drei seiner Maiden zur Verfügung zu stellen, welche die Reliquien immer bei mir in der Nähe tragen sollen.
An der Angriffsbastion bietet sich immer noch das selbe Bild. Allerdings haben unsere Schützen, allen voran Meister Kim, Meister Grünwald, und Meister Pohen mit ihren Bögen den Feind auch schon dezimieren können.
Meister May teilt mir mit, dass mein bester Bogenschütze, Meister Kim, anscheinend Briefe in die Festung zu Tobias schießt, auf denen unsere derzeitige Situation in Mannschaftsstärke, Munition und Moral aufgeschrieben ist. Zum Beweis zeigt er mir einen dieser Briefe.
Ich lasse Meister Kim sofort festnehmen und lasse Gerichtsschranken aufstellen, es ist nun Zeit, ein Standgericht zu halten, ich muss ein Exempel statuieren, damit die Männer nicht denken, ich sei in meiner Gutherzigkeit zu weich und sie können mir auf der Nase herumtanzen.

15:00 Uhr

Ich halte das Standgericht in Form eines Blutgerichts. Nach dem ich meine Hände reingewaschen habe, wird Meister Kim in die Gerichtsschranken geführt. Meister May verliest die Anklage und gibt mir den Brief, den Meister Kim verschießen wollte. Meister Kim gesteht und spuckt auf den Boden vor mir aus. Außerdem wird nun bestätigt, dass Meister Kim auch eine unserer Fahnen gestohlen hat und dem Feind übergeben wollte.
Mir bleibt nichts anders übrig, als ihn zum Tode zu verurteilen. Meine bester Bodenschütze, warum hat er das getan?
Ich verurteile ihn zum Tode durch Entleibung. Das Urteil soll alsbald nach der Gerichtsverhandlung vollzogen werden.
Ich frage, ob noch jemand Grund zur Klage hat.
Da meldet sich Meister May und bringt vor, dass Meister Folini Unzucht getrieben habe, in dem er mit der Küchengehilfin Saara händchenhaltend gesehen wurde. Zudem hätte Meister Folini in seinem Amt als Rottmeister der Flämischen Söldner versagt und es gäbe daher Unmut in dieser Gruppe.
Zunächst lasse ich Saara in die Gerichtsschranken treten und frage, ob es stimmt, dass sie mit Meister Folini Händchen gehalten hat. Sie verneint dies. Sie kennt Meister Folini nur flüchtig vom sehen und sie habe einen Verlobten in Nürnberg. Das wird mir von Meister Putzo bestätigt, der einen Brief an diesen Verlobten zu Nürnberg abgefasst hat.
Meister Folini klagt darauf Meister May wegen Verleumdung und übler Red an. Aber alles zu seiner Zeit.
Ich kann nicht glauben, dass Meister Folini sein Amt als Rottmeister nicht ordnungsgemäß ausgefüllt hat und frage nach Zeugen. Ein Flame tritt in die Schranken und spricht. Allerdings kann ich ihn nicht verstehen, da er nur Flämisch, namentlich das Welsche spricht. Da Meister Folini beider Sprachen mächtig ist, frage ich ihn was der Flame genau sagt. Meister Folini übersetzt, dass der Flame mit der Führung von Meister Folini nicht zufrieden sei. Als ich nachfragen lasse, was genau Meister Folini gemacht hätte, wiederholt der Flame nur mehrmals, dass er mit der Führung von Meiser Folini nicht zufrieden sei. Ich frage Meister Folini, ob der Flame noch etwas anderes gesagt hätte. Das verneint Meister Folini.
Die Unzufriedenheit würde an sich für eine Amtsenthebung nicht reichen. Als ich dies dem Flamen mitteilen will, stellen sich die gesamten flämischen Söldner bewaffnet mit Helmparten an die Gerichtsschranken, um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen. Durch diese stichhaltigen Argumente, bleibt mir nichts anderes übrig, als Meister Folini aus seinem Amt zu entfernen. Ich übertrage einstweilen dem einarmigen Ernst den Rottmeisterposten für die Flamen.
Ich rufe nun Meister May in die Gerichtsschranken und sage ihm, dass er sich gegenüber Meister Folini und der Küchenhilfe Saara einer Verleumdung schuldig gemacht hätte und die ganze Gerichtsbarkeit Zeuge war. Nach einer kurzen Verteidigung ohne das Geschehene zu leugnen, verurteile ich Meister Mai zum Henkersamt und entziehe ihm das Profossamt. Von der Strafe des Zungeherauschneidens sehe ich ab, weil Meister May mir immer gute Dienste geleistet hat und er wackerer Kämpfer ist. Ich muss nun den Profossposten besetzen. Der Einzige ohne Amt der dazu fähig ist, ist Mister Folini, dem ich den Posten übertrage. Der scheint darob hoch erfreut zu sein.
Nach dem Ende des Standgerichts wird Meister Kim nach seiner Beichte herangeführt, von Meister May auf den Richttisch gebunden, am Bauch aufgeschnitten und mit einer Zange holt Meister May aufrollender Weise langsam den Darm aus dem Bauch des Verurteilten. Der schreit nur kurz, dann wird er ohnmächtig. Ich verlange, dass Meister Kim wieder aufgeweckt wird, Die Feldscherin Wanja kann aber nur noch den Tod von Kim feststellen. Ich gebe Meister May zu verstehen, dass dies eine sehr stümperhafte Arbeit war.

15: 45 Uhr

Nach dem Gericht, gebe ich wieder Befehl, die Belagerung weiterzutreiben und endlich den Roten Turm zu sprengen.
Alle bewaffnen sich und begeben sich zur Angriffsstellung. Hier werden nun die Schanzstellungen weiter ausgebaut. Ein neuer Trupp Sappeure betritt den Stollen mit einer neuen Bombe.

16:15 Uhr

Plötzlich erfolgt eine erneute Explosion im Stollen. Vier Schanzknechte taumeln dreckverschmiert aus dem Stollen unter Ihnen Meister Sedelmayr. Ich Frage Meister Sedelmayer was passiert sei und warum der rote Turm immer noch steht.
Er sagt mir, dass sie wohl am Turm vorbeigegraben hätten. Es scheint aber so, dass wir einen kleinen Durchbruch zur Bärenbastei der Veste durchgesprengt hätten, wo sich Meister Pott versteckt hält.

16:30 Uhr

Plötzlich bittet Tobias von Coburg um Verhandlungen.
Diese finden sogleich am dicken Turm unten zwischen Angriffsstellung und unserem Lager statt. Er bittet, die Belagerung nicht mehr weiter zu betreiben. Er hat gemerkt, dass wir uns durch die Maueren gesprengt hätten. Er möchte nicht noch mehr seiner Leute opfern. Er steckt aber vor der Familie seines Freunde Pott im Dilemma. Er möchte sein Ansehen und seine Ehre nicht verlieren und kann Meister Pott nicht einfach herausgeben.
Wir kommen daher überein, dass ein letzter Angriff durchgeführt wird, und während des Angriffs eine kleine Einheit durch den gesprengten Tunnel Meister Pott entführen soll.
Ich lasse daher die Truppen sammeln und die Trommel rühren. Nachdem alle Rotten und noch übrigen Kampffähigen angetreten sind und Meister Folini durchgezählt hat, merke ich dass meine ganze Truppe darauf brennt, den entscheidenden Schlag zu setzen. Ich bin sehr stolz auf diesen Haufen. Sie haben trotz der Entbehrungen und Verletzungen und schlechten Soldes nie aufgegeben oder den Mut verloren.
Ich befehle alle auf ihre Angriffspositionen. Als alle in Stellung sind, lasse ich erneut die Trommel rühren und befehle Geschützmeister Arnswald, Feuer zu geben. Die ersten drei Schüsse fallen fast gleichzeitig und die Rauchschwaden verdecken die verheerenden Einschläge in der Festung. Zur Unterstützung, nach einem kurzen Gebet, stößt nun auch noch Meiser Daniel mit seine Büchsenschützen dazu und diese feuern aus allen Rohren und belegen die Verteidiger in einen Hagel aus Blei, so dass der Pfeilbeschuss nachlässt. Meister Arnswald lässt jetzt sein Steingeschütz abfeuern. Die mächtige Grete. Die Druckwelle erreicht sogar uns, die wir ca. 10 Meter hinter dieser Kanone stehen. Ein beträchtliches Mauerstück ist herausgesprengt worden.
Da stürmen Meister Jörgs Männer mit den Sturmleitern vor. Von der anderen Seite stürmt Meister Nowak mit der Katze zum Angriff. Meister Jörg geling es heute zwar, die Leitern aufzustellen, allerdings werden seine Männer von einem Steinhagel erschlagen oder durch heißes Öl verbrannt. Ich lasse zum Rückzug schlagen. Meister Arnswald und Meister Daniel geben indes Feuerschutz gegen die Bogenschützen auf den Mauern. Meister Jörg und seine Männer brennen aber auf einen zweiten Angriff. Ich gebe den Angriff mit den verbleibenden Männern frei.
Plötzlich streckt mich erneut ein Pfeil zu boden. Es trifft mich fast an der gleichen Stelle wie heute Morgen. Als ich zu Boden krache platzt auch die alte Wunde wieder auf. Ich werde von einem kleinen Wagen zum Lazarett gefahren.
Dort wird von der Feldscherin Wanja erneut die alte Wunde zugenäht und aus der neuen Wunde der Pfeil herausgeschnitten. Ich wimmere vor mich hin, mir wird wieder schwarz vor Augen. Als ich aufwache, steht Meister May vor mir und verkündet mir, dass Meister Sedelmayr es geschafft hat, Meister Pott zu holen. Meine Jungs sind Teufelskerle. Sie sind durch den Tunnel in die Festung gelangt und haben Meister Pott überwältigen können und dann durch den Tunnel herausgebracht. Mir wird berichtet, dass Meister Pott allerdings den Freitod gewählt hätte. Man hätte gesehen, wie er auf die Zinne sprang und dort von einem Bolzen getroffen zusammensank.
Ich will Meister Pott sehen. Zwei Mann stützen mich und tragen mich zur Leiche. Da liegt er, auf einem Wagen. Ein Pfeil ragt aus seiner Brust. Mit letzter Kraft, gezeichnet durch meine Wunden, danke ich den Männern und befehle ihnen, dass sie das Lager abbrechen sollen, so das wir Meister Pott zu seiner Verurteilung nach Nürnberg bringen können.
Mehr kann ich nicht mehr sagen, dann sinke ich zusammen, werde auf einen Karren gelegt und wieder zu Lazarett, gebracht.
Aus den Augenwinkeln glaubte ich dann zu sehen, wie sich eine Biene auf den Zeigefinger von Meister Potts rechter Hand setzt, und dieser kurz zusammenzuckte. Vermutlich habe ich mich getäuscht. Ich wurde wieder ohnmächtig.
Man sagt nun in Nürnberg, Meister Pott habe der Teufel geholt. Fest steht, er ist in der Nacht verschwunden. Keiner weiß wie. Man fand nur eine Semmel in der ein Bolzen steckte.

Meister Harald Maußner, der Glückliche von Nürnberg
Gegeben im Jahre des Herren 1476


Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal allen Danken, die mitgeholfen haben, dass diese Veranstaltung ein Erfolg wurde.
Ihr habt alle meinen Respekt, ich danke euch vielmals.


- Harald Maußner